Ab in den Hundeshelter
Einsatz für „die besten Freunde des Menschen“
Den ganzen Tag lang mit Hunden zusammen zu sein und ihnen gleichzeitig auch noch zu helfen … für viele wohl ein Traum. Felicitas Falter hat sich diesen Traum erfüllt und nach dem Abitur zwei Monate in einem bulgarischen Hundeshelter verbracht. Dort hat sie aber nicht nur den ganzen Tag Hunde gestreichelt, sondern auch viel gearbeitet und wichtige Erfahrungen gemacht.
Eigentlich wollte Felicitas nach ihrem Abitur studieren. Dann wurde sie allerdings über eine Freundin auf das bulgarische Tierheim der Organisation Everydaystray aufmerksam. Da sie schon immer Hunde mochte und den Tieren helfen wollte, beschloss sie, mit dem Studium doch noch etwas zu warten. Bereits nach dem ersten Video Call verstand sie sich super mit Neil und Clair, die das Hundeshelter betreiben. Am 10. Oktober 2021 war es dann soweit: Felicitas reiste nach Bulgarien. Bei ihrer Ankunft in der Hauptstadt Sofia erlebte sie erst einmal einen Kulturschock. Die Lebensumstände in Bulgarien sind deutlich schlechter als in Deutschland, viele Häuser sind eingefallen und Felicitas sah zum ersten Mal sehr viele Straßenhunde.
Schließlich ging die Reise weiter nach Dragonovsti, wo sich das 2020 eröffnete Hundeshelter befindet. Dort leben ca. 30-40 ehemalige Straßenhunde, um die sich das Team kümmert und die im Idealfall an verantwortungsvolle Besitzer*innen vermittelt werden. So bekamen seit der Gründung schon über 300 Hunde ein neues Zuhause.
Nachdem Felicitas beim Hundeshelter angekommen war und sich in ihrer Wohnung eingerichtet hatte, begann auch schon bald die Arbeit. Normalerweise dauerte Felicitas‘ Arbeitstag von 8 bis 18 Uhr. Und in dieser Zeit wurde ihr definitiv nicht langweilig, denn im Hundeshelter gibt es immer etwas zu tun. Zu Felicitas’ Aufgaben gehörte es unter anderem, die Hunde zu füttern, die Schlafplätze zu reinigen oder Gassi zu gehen. Eine besondere Herausforderung ist, dass man auf die Bedürfnisse eines jeden einzelnen Hundes eingehen muss. Manche brauchen besondere Medizin, andere wiederum haben Allergien, auf die bei der Fütterung geachtet werden muss und mit einigen (vor allem jungen Hunden) muss man erst noch trainieren, richtig an der Leine zu gehen. Die vielen verschiedenen Tätigkeiten führen dazu, dass der Alltag relativ anstrengend ist. Trotzdem ist zwischendurch natürlich auch noch genug Zeit, um die Hunde zu streicheln und mit ihnen zu spielen.
Mit der Versorgung der Tiere im Hundeshelter selbst ist es aber noch nicht getan. In Bulgarien gibt es leider sehr viele Straßenhunde und Menschen, die ihre Hunde an Ketten halten. Da es viel zu viele misshandelte und verwahrloste Hunde gibt, um sie alle in das Shelter aufzunehmen, fährt das Team regelmäßig in umliegende Dörfer, um die Straßenhunde dort so gut wie möglich zu versorgen. Außerdem wird versucht, mit der bulgarischen Bevölkerung zu kommunizieren und ihnen das Leid der Tiere aufzuzeigen. Das ist allerdings nicht nur aufgrund der Sprachbarriere schwierig (das Team von Everydaystray spricht größtenteils kein Bulgarisch und die lokalen Anwohner*innen sprechen nur wenig bis gar kein Englisch). Felicitas erklärt, dass Hunde in Bulgarien oft nicht wie Lebewesen, sondern wie Dinge behandelt werden. Aus diesem Grund hat Everydaystray auch ein Programm für Schulklassen ausgearbeitet, um ihnen den richtigen Umgang mit den Tieren beizubringen.
„„Das Problem ist das Denken der Menschen. Wenn man an der inneren Einstellung der Leute etwas ändern könnte, müssten vermutlich deutlich weniger Hunde leiden.“
Nach zwei Monaten war Felicitas‘ Aufenthalt in Bulgarien dann auch schon wieder vorbei und sie reiste zurück nach Deutschland. Das heißt aber nicht, dass ihr Engagement für Everydaystray vorbei ist. Im März 2022 war sie noch einmal für zwei Wochen im Hundeshelter und ist mittlerweile als Ansprechpartnerin für andere Freiwillige ein fester Bestandteil des Teams. Während der Zeit in Bulgarien konnte Felicitas nicht nur den Hunden dort helfen, sondern machte auch eine wichtige Erkenntnis. „Das Problem ist das Denken der Menschen“, sagt sie, „wenn man an der inneren Einstellung der Leute etwas ändern könnte, müssten vermutlich deutlich weniger Hunde leiden.“ Deshalb möchte sie ab Oktober 2022 Psychologie studieren. Das soll sie aber trotzdem nicht davon abhalten, weiterhin Everydaystray zu unterstützen. Felicitas hat in dem Hundeshelter eine Art zweites Zuhause gefunden. Ihr Auslandsaufenthalt war also in jeder Hinsicht gewinnbringend!
Von Laura Einsiedl