Dialekt und Mehrsprachigkeit am JHG - Teil 1

Raus mit der Sprache! – Dialekt am JHG

In dieser zweiteiligen Reportage dreht sich alles darum, wie dem JHG der Schnabel gewachsen ist. Welche Dialekte und Sprachen sind bei uns zu hören? Hier findet ihr die Ergebnisse einer im Mai 2023 schulintern durchgeführten Umfrage zu diesem Thema und interessante Hintergrundinformationen.

Bist du schon einmal einer „Zwidawurzn“ über den Weg gelaufen? Oder weißt du, was „a gmahde Wiesn“ ist? Und hast du dir schon einmal gedacht, dass etwas „ghupft wia gsprunga“ ist? Wenn ja, bist du höchstwahrscheinlich des Bairischen mächtig. (Für alle, denen diese Begriffe eher Spanisch vorkommen, gibt es unten die Auflösung, was sie bedeuten.) Schon seit Jahren warnen Expert*innen allerdings davor, dass die Anzahl der Personen, die den Dialekt beherrschen, drastisch abnimmt. Bereits 2009 wurde Bairisch von der UNESCO in die Liste der gefährdeten Sprachen aufgenommen. Und nicht nur dem bairischen Dialekt wird der nahende Untergang prophezeit, auch die Zukunft einiger anderer Dialekte wird wenig optimistisch betrachtet. Ein Grund, um sich einmal im eigenen Umfeld umzusehen oder, besser gesagt, umzuhören.

Bist du schon einmal einer „Zwidawurzn“ über den Weg gelaufen? Oder weißt du, was „a gmahde Wiesn“ ist?

An der oben genannten Umfrage nahmen insgesamt 131 Schüler*innen der Jahrgangsstufen 7 bis 11 teil. Davon gaben 67 an, einen Dialekt zu sprechen – über die Hälfte also. Erwartungsgemäß spricht davon der größte Teil bairisch, nämlich 61 Personen. Weitere am JHG gesprochene Dialekte sind z. B. Sächsisch, Hessisch und Wienerisch.

Von diesen 67 Personen sprechen allerdings nicht alle zwingend ihren Dialekt auch in der Schule. Dialektsprechende kennen das Problem: Wie rede ich denn jetzt am besten? Versteht mich der andere, wenn ich Dialekt spreche? Muss ich in meinem Referat Hochdeutsch sprechen? 27 Befragte, das sind 40%, gaben an, dass sie nur dann Dialekt sprechen, wenn es ihr Gegenüber ebenfalls tut. Im Kontrast dazu stehen die 21 Personen, die fast immer, abgesehen von einzelnen Ausnahmen, Dialekt sprechen. Der Rest verteilt sich auf die Antwortmöglichkeiten „Nur mit der Familie und/oder im Freundeskreis“ bzw. „Sonstiges“. Jeder handhabt dieses Thema also etwas anders.

Um auf das Beispiel mit dem Referat einzugehen: Diese Situation ist jedem dialektsprechenden Jugendlichen wohl schon mindestens einmal begegnet. Ein Referat steht an und irgendwann taucht die Frage auf: Wirkt es sich negativ auf meine Note aus, wenn ich Dialekt spreche? Von sechs befragten Lehrkräften, die alle selbst einen Dialekt sprechen, möchten fünf, dass ihre Schüler*innen in Referaten Hochdeutsch sprechen. Erfahrungsgemäß fühlen sich Schüler*innen dadurch teilweise benachteiligt. Was sind also die Begründungen der Lehrkräfte? Der Punkt, der am öftesten angeführt wird, ist der der besseren Verständlichkeit, da nicht davon ausgegangen werden könne, dass die ganze Klasse den Dialekt versteht. Ein weiteres Argument ist, dass auch später im Studium bzw. Beruf verlangt werden könne, Hochdeutsch zu sprechen, da dies unter Umständen mehr Kompetenz ausstrahle. Wenn man die Arbeitswelt betrachtet, ist dieser Punkt sicherlich berechtigt. Dass der Erhalt von Dialekten durch ein Image, das sie womöglich sogar mit Unprofessionalität in Verbindung bringt, allerdings nicht unbedingt positiv beeinflusst wird, liegt auf der Hand.

Deshalb zurück zum Anfangsproblem: Zahlreiche Mundarten werden als gefährdet eingestuft.

Deshalb zurück zum Anfangsproblem: Zahlreiche Mundarten werden als gefährdet eingestuft. Und davon sind nicht nur sprachliche Ausdrücke betroffen. In einem Artikel von „Deutschlandfunk Kultur“ werden Dialekte als „ein Stück gesprochene Heimat und Tradition“ bezeichnet. Allein die Vielfalt eines einzelnen Dialekts ist unglaublich. So hat jede Region, teils sogar jedes Dorf seine ganz besonderen Feinheiten – in Palling wird ein anderes Bairisch gesprochen als in Sankt Georgen oder in Traunwalchen. Diese Vielfalt ginge mit dem Aussterben des Dialekts zu Grunde.

Was können wir also dagegen tun? Ein Drittel der Befragten wünscht sich, dass Dialekte am JHG stärker gefördert werden.

Was können wir also dagegen tun? Ein Drittel der Befragten wünscht sich, dass Dialekte am JHG stärker gefördert werden. Auf die Frage nach Ideen war der häufigste Vorschlag, das Thema gezielt in den Unterricht einzubauen. Dies könnte zum Beispiel eine monatliche Dialektstunde im Deutschunterricht sein. Andere wiederum würden so weit gehen, ein eigenes Unterrichtsfach für Dialekte einzuführen. Weitere denkbare Optionen wären laut der Befragten auch ein Wahlkurs am Nachmittag, passende Projekte bei den Projekttagen oder Feste, bei denen die Kulturen verschiedener Bundesländer aufeinandertreffen. Aber auch durch das bewusste Sprechen im Schulalltag könne der Erhalt von Dialekten laut der Befragten gefördert werden. Und hierbei sind nicht nur die Schüler*innen, sondern explizit auch die Lehrkräfte gemeint. Die Vorbildrolle sollte hier ganz offensichtlich nicht unterschätzt werden.

In welcher Form auch immer, eines ist klar: Um unsere Dialekte zu bewahren, müssen wir sie pflegen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Zum Abschluss wie versprochen die Auflösung der Begriffe am Anfang:

Eine „Zwidawurzn“ ist ein schlecht gelaunter Mensch. Wenn etwas „a gmahde Wiesn“, also eine gemähte Wiese, ist, ist ein Vorhaben gemeint, das nicht mehr schief gehen kann und damit eine sichere Sache ist. Den Ausdruck „des is ghupft wia gsprunga“ (= das ist gehüpft wie gesprungen) verwendet man, wenn etwas keinen Unterschied macht, also egal ist.

Wenn du dich auch für die restlichen Ergebnisse der Umfrage zum Thema Mehrsprachigkeit interessierst, schau doch auch bei dem zweiten Teil der Reportage „Raus mit der Sprache! – Mehrsprachigkeit am JHG“ vorbei!

Von Laura Einsiedl