Dialekt und Mehrsprachigkeit am JHG - Teil 2

Raus mit der Sprache — Mehrsprachigkeit am JHG

In dieser zweiteiligen Reportage dreht sich alles darum, wie dem JHG der Schnabel gewachsen ist. Welche Dialekte und Sprachen sind bei uns zu hören? Hier findet ihr die Ergebnisse einer im Mai 2023 schulintern durchgeführten Umfrage zu diesem Thema und interessante Hintergrundinformationen.

Sprachen sind mehr als “blahblah” ;-)

„Sprache ist der Schlüssel zur Welt.“ – Schon der Gelehrte Wilhelm von Humboldt wusste um die Bedeutung von Sprache. Gerade heute in unserer globalisierten Welt ist es wichtiger denn je, fremde Sprachen zu beherrschen. Während einige von uns von Geburt an einen einzigen Schlüssel haben, besitzen andere gleich einen ganzen Schlüsselbund: und zwar, indem sie von Beginn an mehrere Muttersprachen vermittelt bekommen.

In obig genannter Umfrage haben sich 131 Schüler*innen aus den Jahrgangsstufen 7 bis 11 des JHGs zum Thema Mehrsprachigkeit geäußert. Und bereits die erste Frage nach der eigenen Muttersprache zeigt, dass das Thema ganz und gar kein Nischenthema ist. Ziemlich genau ein Drittel gab an, nicht nur ausschließlich Deutsch als Muttersprache zu besitzen. Davon sind es 28, die zusätzlich zu Deutsch noch mindestens eine weitere Muttersprache besitzen. Fünf waren dabei, die zwei Muttersprachen besitzen, ohne dass eine davon Deutsch ist. Elf weitere Befragte besitzen eine Muttersprache, die allerdings ebenfalls nicht Deutsch ist.

Am JHG wurde mit Abstand am häufigsten Russisch als Muttersprache genannt.
— Laura Einsiedl

Die Vielfalt der am JHG gesprochenen Sprachen ist dabei beachtlich: 16 verschiedene Sprachen wurden angegeben, von Kroatisch über Griechisch bis hin zu Rumänisch. Da allerdings nur 131 von über 500 Schüler*innen teilgenommen haben, ist davon auszugehen, dass das Sprachrepertoire unserer Schule noch deutlich größer ist. Mit Abstand am häufigsten wurde Russisch als Muttersprache genannt.

Mehrere Muttersprachen können die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit fördern und der Lernprozess kann bei weiteren Sprachen erleichtert werden. Übrigens: Ähnliche Effekte zeigen sich auch bei Dialektsprechenden.
— Laura Einsiedl

Von den 35 Schüler*innen, die mindestens zwei Muttersprachen besitzen, bewerten bis auf zwei Ausnahmen alle ihre Mehrsprachigkeit als positiven Einfluss auf sie. Diese Einstellung wird auch in der Sprachwissenschaft vertreten. In einem Artikel der Tagesschau, der zufällig zeitgleich mit der Umfrage am JHG erschienen ist, werden zahlreiche Vorteile der Mehrsprachigkeit aufgezeigt. So belegen Studien beispielsweise, dass mehrere Muttersprachen die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit fördern können und dass der Lernprozess bei weiteren Sprachen erleichtert werden kann. Übrigens: Ähnliche Effekte zeigen sich auch bei Dialektsprechenden.

Etwa 7000 Sprachen gibt es auf der Welt.

Obwohl diese Fakten dafür sprechen, Mehrsprachigkeit als eine Bereicherung anzusehen und sie wertzuschätzen, sind nur 77 von den 131 Befragten der Meinung, dass diese Wertschätzung am JHG ausreichend vorhanden ist – das sind nicht einmal 60%. Und auch von den teilnehmenden Lehrkräften sind vier von sechs der Meinung, dass mehr getan werden könnte. Auf die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden könnten, um diese Wertschätzung aktiver zu leben, wurden viele kreative Ideen eingereicht. Eine Antwort, die häufig gegeben wurde, bezog sich interessanterweise nicht nur auf die Sprachen, sondern auch auf die damit verbundenen Kulturen. So schlagen mehrere der Befragten vor, Aktionen und Projekte anzubieten, bei denen verschiedene Kulturen vorgestellt werden. Diese Idee überschneidet sich mit dem Zitat einer Lehrkraft auf dieselbe Frage: „To speak another language is to have another soul.“ Eine Sprache transportiert immer gleichzeitig auch Kultur und Werte. Aus diesem Grund können Fremdsprachen so viel zu einer offenen Einstellung gegenüber anderen Ländern beitragen. Ein weiterer Aspekt, der bei den Antworten im Fokus stand, war das gemeinsame Lernen. So könnte man entweder im Klassenverband oder in freiwilligen Wahlkursen in die am JHG vertretenen Sprachen hineinschnuppern und voneinander lernen.

Am meisten bringt aber vermutlich erst einmal Eigeninitiative. Ehrliches Interesse an der Sprache und Herkunft der Mitmenschen bringt uns nicht nur zwischenmenschlich näher zusammen, sondern hilft uns auch, unseren Horizont zu erweitern. Eine Chance, die es sich lohnt, zu nutzen.

Wenn du dich auch für die restlichen Ergebnisse der Umfrage zum Thema Dialekt interessierst, schau doch auch bei dem zweiten Teil der Reportage „Raus mit der Sprache! – Dialekt am JHG“ vorbei!


 Von Laura Einsiedl