AB In die Großstadt
Schwabing: der Weg von der Kuhweide in die Metropole Bayerns
Drei Pallinger — zwei Naturwissenschaftler und eine Juristin: die WG der Dorfkinder in der bayerischen Landeshauptstadt. Für diejenigen, die sonst mehr Kühe wie Menschen als Nachbarn haben, ist das Großstadtleben in München zunächst eine ziemliche Umstellung.
„AB In die Großstadt!“- Für Xaver Schultes, der 2020 am JHG sein Abitur absolvierte, wohl eine sehr spontane Entscheidung. Noch lange nach dem Schulabschluss wusste er nicht, was er jetzt machen sollte. Nur eines war sicher: auf jeden Fall nicht Französisch studieren! Der Plan war zwar, ein Studium — am liebsten ein Naturwissenschaftliches — zu beginnen, aber konkret wurde es erst, als er die Chance auf eine kleine Wohnung im Zentrum Münchens bekam. So stand die Stadt schon einmal fest und danach war auch das Auswählen des Studienfachs nicht mehr so schwer: er entschied sich für Physik an der TUM (Technische Universität München). Seit November ist Xaver nun quasi ein Kommilitone von Herrn Siegmund, der viel zu Xavers Entscheidung, Physik zu studieren, beitrug. Zusammen mit seinen Grundschulfreunden Sebastian Sändig und Sophie Wolfertstetter gründete er also die WG der Pallinger.
Auch bei Sophie Wolfertstetter war es eine eher zufällige Entscheidung, in München zu studieren. Ursprünglich wollte sie zunächst nach dem Abitur für ein Jahr ins Ausland, aber dann kam ihr Corona in die Quere und so schrieb sie sich schließlich für ein Jurastudium an der LMU (Ludwig-Maximilians-Universität) ein. Sie interessiert sich nämlich schon lange für das Thema Recht. Obwohl das anfangs keine ernsthafte Überlegung zu sein schien, setzte sie sich immer mehr mit der Thematik auseinander und beschloss dann, wirklich Jura zu studieren, falls sie genommen werden würde. Und das wurde sie dann tatsächlich auch am gleichen Tag, an dem Xaver ihr einen Platz in seiner Wohnung in München anbot.
„Es hätte für mich am Ende nicht besser laufen können.“ (Sophie Wolfertstetter)
Insgesamt läuft das Leben in der WG bis jetzt sehr gut — wenn auch der Anfang etwas chaotisch war. Bis man als Dorfkind mit dem U-Bahn-System des MVV zurechtkommt, dauert es ein bisschen. Und auch auf die legendären Studentenpartys mussten die drei wegen der Kontaktbeschränkungen bis jetzt verzichten, aber das ist vielleicht auch besser so, denn es gibt genug zu tun. Das Studium läuft sowohl bei Xaver als auch bei Sophie mittlerweile hauptsächlich digital über das Laptop ab, aber da in München das WLAN doch etwas besser ist als in Palling, stellt das bis jetzt kein Problem dar. Trotzdem ist es für beide ziemlich anspruchsvoll, da der schulische Unterricht sich doch sehr stark von der Lehre an der Universität unterscheidet und sie plötzlich ziemlich viel lernen und arbeiten müssen.
„Jura ist, wie wenn man eine neue Sprache lernt.“ (Sophie Wolfertstetter)
Aber die zwei erzählen auch, dass sie sich immer besser eingewöhnen und ihnen das Studium Spaß macht. Und da man sich nicht persönlich mit neuen Freunden treffen kann, hat Sophie eine Möglichkeit gefunden, trotzdem den Kontakt zu halten: sie verabredet sich mit einigen Kommilitonen einfach zum digitalen Abendessen - „da muss man dann auch nur für eine Person kochen und spülen!“, ergänzt Sophie lachend.
Von Sophie Schultes