"ZukunftsAtelier Beuys"

“Shit I’m down” - das stille Leiden vieler Jugendlicher

Psychische Krankheiten bei Jugendlichen – oder gerne auch positiv als „Mental Health“ bezeichnet – das ist ein leider immer präsenter werdendes Thema. Vor allem durch die Pandemie, die nun schon mehr als zwei Jahre andauert, sind viele Jungen und Mädchen betroffen. Das spiegeln auch einige Studien wider: 2021 war jeder siebte Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren von einer psychischen Störung betroffen*. Eine andere Statistik zeigt, dass es inzwischen doppelt so viele Fälle gibt wie noch 2019**. Doch was ist der Grund für diesen Anstieg und welche Probleme gibt es?

Eine starke Auswirkung hat natürlich die Corona-Pandemie: Die sozialen Kontakte sind eingeschränkt, die täglichen Routinen sind unterbrochen und es entstehen Bildungslücken. All dies bringt viele Probleme mit sich: Die Betroffenen haben noch weniger die Möglichkeit, sich mit jemandem über ihre Probleme auszutauschen, was häufig zu Ausweglosigkeit und Hilflosigkeit führt. Außerdem entsteht oft Angst um die Gesundheit, Freunde und Schule. In sehr schlimmen Fällen kommt es sogar zu Existenzängsten. Auch die entstandenen Bildungslücken haben einige Auswirkungen: Bei vielen werden die Noten deutlich schlechter, was wiederum zu Schulstress führt. Knapp 43% aller Schülerinnen und Schüler geben an, oft Stress zu empfinden***. Bei den Mädchen ist der Anteil mit 49% etwas höher als bei den Jungen mit 37%.

Doch nicht nur die Pandemie ist an diesen Zahlen schuld. Auch vor Corona litten schon einige Jugendliche an psychischen Belastungen und Störungen. Es wäre angebracht, unsere gesellschaftlichen Verhältnisse zu hinterfragen. Klar ist: psychische Erkrankungen sind noch immer stigmatisiert, es gibt offenbar (zu) wenig Hilfsangebote und Ansprechpersonen, an die sich Betroffene wenden können. Außerdem hat die Regierung wenig Geld in diese Probleme gesteckt: Es wurden nur zwei Prozent des Gesundheitsbudgets hierfür verwendet. All diese Dinge tragen dazu bei, dass es immer mehr Jugendliche mit psychischen Störungen und Erscheinungen gibt.

 

Mit diesem Thema beschäftigten wir, die 10C, uns bei dem Projekt „ZukunftsAtelier Beuys“. Bei einem Museums-Workshop und im darauffolgenden Kunstunterricht diskutierten wir über Mentale Gesundheit und überlegten uns, wie wir am besten darauf aufmerksam machen und Betroffenen helfen können. Dabei ist uns aufgefallen, dass psychische Krankheiten bei Jugendlichen viel präsenter sind, als viele denken! Wir wollen ganz gezielt am JHG dafür sensibilisieren, darüber aufklären und helfen. Wundere dich also nicht, wenn du mit vielen Plakaten konfrontiert wirst, auf denen es z.B. heißt: „I’m (not) ok“, „Schau genau hin!“, „Ignoriert es nicht!“ oder „Du auch?“.

Mental Health soll kein Tabuthema mehr sein! Deshalb haben wir in dieser Zeit einige Dinge gestaltet, die dabei helfen sollen, auf dieses Thema hinzuweisen: Wir haben eine sogenannte Zusammenwachsen-Stunde gestaltet, bei der diese Thematik Raum findet und über Probleme geredet werden kann.

Außerdem haben wir einen Brief an unsere Lehrer verfasst, indem wir sie über das Thema informieren und ihnen mitteilen, was sie zur Verbesserung beitragen könnten. In der Aula könnt ihr ab Freitag, den 7.10., unsere Info-Ausstellung ansehen. Wusstet ihr zum Beispiel schon, dass wir ab Mitte Oktober eine Schul-Sozialpädagogin am JHG bekommen? Oder welche Taktik gegen Stress hilft? Auch an einem positiven Selbstwertgefühl kann man mit kleinen Tricks effektiv arbeiten: Wir stellen euch ein Positiv-Tagebuch sowie Mutsätze vor.

Um einen größeren Teil der Bevölkerung zu erreichen, gibt es zusätzlich eine Präsentations- und Infoveranstaltung des „ZukunftsAtelier Beuys“ am 14. Oktober um 15.00 Uhr im k1, an dem auch vier andere Schulen ihre Anliegen und Kunstprojekte vorstellen.

Hier präsentieren wir in einer Performance unsere “Plakat-gewordenen” Forderungen und Wünsche, die wir im Kunstunterricht zu diesem Thema gestaltet haben.

Wir hoffen, dass wir mit unserem Projekt einige Menschen erreichen und somit Betroffenen helfen können.

Man merkt sehr schnell, dass es sehr wichtig ist, viele Menschen über dieses Thema zu informieren und zu sensibilisieren, da es noch zu wenig Hilfsmöglichkeiten gibt. Genau dies muss geändert werden: Wenn genug Menschen über diesen Umstand Bescheid wissen und sich dafür einsetzen, dass Jugendlichen mit psychischen Krankheiten besser geholfen werden kann, kann man etwas bewirken. Und es kommt schon etwas ins Rollen – unsere Motive werden für eine regionale Postkartenaktion der Krisendienste Bayern verwendet, um die Hilfs-Hotline 0800 /655 3000 zu bewerben.

*Bericht zur Situation der Kinder in der Welt, Schwerpunkt Mentale Gesundheit, Unicef, 2021

**Studie der University of Calgary, veröffentlicht im Fachblatt Jama Pediatrics, 2021

***Präventionsradar 2017 der DAK Krankenkasse

Von Christian Bauer, 10C